Floorball: Erfahrungsbericht BLINDSAVE Goalie Camp 2019
Ein Bericht von Jonas Baumgartner




Seit 2012 veranstaltet die Firma BLINDSAVE in Lettland einmal im Jahr ein dreitägiges Trainingscamp für Floorball-Torhüter. Auch 2019 fand wieder ein Camp statt, an welchem ich den TSV Rapid Vilsheim vertreten durfte.

Der Gründer und Geschäftsführer der Floorball-Torhüter-Ausrüstungsfirma BLINDSAVE, Andis Blinds, war selbst langjähriger Nationaltorhüter des lettischen Floorball-Nationalteams und spielte auf Clubebene in der höchsten schwedischen Floorball-Liga. Seine Leidenschaft für den Sport versucht er nicht nur in seine Produkte zu integrieren, sondern auch an andere Leute weiterzugeben. Dabei kann er seit Jahren auf die Hilfe von Spitzentorhütern und Trainern aus aller Welt zählen, die ihn bei seinen Camps tatkräftig unterstützen. In diesem Jahr waren dies Mike Trolle (aktueller dänischer Nationaltorhüter) , Patrik Aman (ehemaliger schwedischer Nationaltorhüter und Weltmeister), Janis Salcevics (aktueller lettischer Nationaltorhüter), Viktor Klintsten (ehemaliger schwedischer Nationaltorhüter und aktueller schwedischer Meistergoalie), Pontus Boman und Mattias Tiger (zwei Torhütertrainer von Clubs der obersten schwedischen Liga) sowie Pascal Meier (aktueller schweizer Nationaltorhüter und MVP der Weltmeisterschaften 2018 in Prag). Das ist für einen Floorball-Torhüter in etwa, wie wenn ein Fußballer 3 Tage lang mit Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Mohamed Salah und Toni Kroos trainieren darf.



Jonas Baumgartner, TSV Rapid Vilsheim (rechts)
mit dem Schweizer Nationaltorhüter und MVP
der WM 2018 Pascal Meier (links)

Am ersten Tag des Camps wurden wir um 14.00 Uhr am Flughafen der lettischen Hauptstadt Riga mit einem Reisebus abgeholt und fuhren rund zwei Stunden Richtung Osten nach Cesis, wo das Camp durchgeführt wurde. Es folgte eine kurze Registrierung der Campteilnehmer sowie eine Einteilung in 4 Gruppen. Kurz darauf starteten bereits die ersten Trainingseinheiten. In der geräumigen und modernen Dreifach-Turnhalle trainierte man an unterschiedlichen Stationen unter anderem Auswurf und Hand-Augen-Koordination. Dabei lernte man nicht nur wie man ein besserer Torhüter wird sondern lernte auch seine Gruppenmitglieder besser kennen. Wie sich herausstellte war meine Gruppe internationaler als ich gedacht hätte. Neben Torhütern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Lettland und Schweden hatten wir in unserer Gruppe auch zwei Torhüter aus Frankreich, einen Torhüter aus Holland und den Nationaltorhüter aus Korea, der extra von seinem Landes-Verband zum Camp geschickt wurde. Wie ich im Laufe des Tages erfuhr, waren sogar Leute aus Neuseeland oder Singapur extra für dieses Camp angereist. Es waren Torhüter im Alter zwischen 16 und 62 und mit den unterschiedlichsten Vorkenntnissen und Niveaus dabei. Als relativ unerfahrener Torhüter – ich spiele erst seit gut einem Jahr – war es allerdings kein Problem die Übungen zusammen mit weitaus erfahreneren Torhütern zu absolvieren. Man konnte viel voneinander lernen und die Coaches hatten für jeden ein offenes Ohr oder einen Tipp.

Nach einer ausgiebigen Dusche und dem Abendessen war der erste Camp-Tag abgeschlossen und die Teilnehmer wanderten in Grüppchen in die ca. 15 Minuten Fußmarsch entfernte Unterkunft. Diese entsprach deutschem Jugendherberg-/Hostelniveau und machte einen ordentlichen Eindruck. Ich teilte mein Zimmer mit zwei anderen deutschen Teilnehmern. Insgesamt waren wir fünf Torhüter aus Deutschland.


Blick in die Turnhalle in Cesis während des Camps. Bildquelle: BLINDSAVE

Am zweiten Tag trainierten wir zusammen mit den Feldspielern des gleichzeitig stattfindenden „1000 Shots“-Camps, welches von einem lettischen Nationalspieler betreut wurde. Hier konnten wir die am Vortag gelernten Techniken unter Beschuss testen und auch für die Feldspieler war es sicherlich interessant ihre Techniken, z.B. bei einer Strafstoß-Übung, an den rund 64 Torhütern des Camps zu testen. Nach dem Mittagessen und weiteren Trainingseinheiten erfuhren wir, weshalb wir unbedingt eine Badehose mitnehmen mussten. Es ging zur Aqua-Gymnastik in ein nahegelegenes Hallenbad. Was sich im ersten Moment wie eine abkühlende Erholung nach einem langen, anstrengenden Trainingstag angehört hat, erwies sich schnell als anstrengender 30-Minuten Workout, um auch noch die letzten verbliebenen Kräfte aufzubrauchen. Wenigstens hatten wir danach noch ein wenig Zeit um in der Sauna zu entspannen.

Tag drei beinhaltete mitunter einen Hindernislauf, den man nur mit Torhüter-Bewegungstechniken absolvieren durfte. Zudem wurde auf engem Feld zwei gegen zwei mit jeweils einem Torhüter gespielt. Nach rund 2 Minuten wurde der Goalie gewechselt und die Coaches gingen individuell auf die Leistung jedes einzelnen Torhüters ein. Dabei erklärten sie anschaulich welche Teile im Spiel noch verbessert werden können. Gegen Mittag ging das Camp dann zu Ende. Nach einem Gruppenfoto verabschiedete man sich voneinander und holte noch das eine oder andere Autogramm von den Coaches. Nach einer letzten erfrischenden Dusche stiegen wir wieder in den Reisebus und fuhren zurück nach Riga.


Unsere Coaches: Pontus Boman, Mattias Tiger, Andis Blinds, Patrik Aman, Viktor Klintsten, Mike Trolle, Janis Salcevics und Pascal Meier (v.l.n.r.). Bildquelle: BLINDSAVE

Seit einigen Jahren treffen sich am letzten Tag des Camps noch einige der Campteilnehmer in einem Restaurant im Herzen Rigas. Neben rund 30 Teilnehmer waren mit Pontus Boman und Pascal Meier auch zwei der Coaches mit dabei und man konnte bei leckerem Essen und erfrischenden Getränken noch einmal die ereignisreichen Camp-Tage revue passieren lassen.

Abschließend kann ich jedem Floorball-Torhüter wärmstens empfehlen am BLINDSAVE Goalie Camp teilzunehmen. Man hat nicht jeden Tag die Möglichkeit von so viel Floorball-Kompetenz trainiert zu werden. Zudem bietet das Zusammenkommen mit Torhütern aus aller Welt die ideale Möglichkeit länderübergreifend Erfahrungen über den Lieblingssport auszutauschen und das eine oder andere davon für Zuhause mitzunehmen.

Die Kosten halten sich insgesamt in Grenzen, da in der Teilnahmegebühr von 250 € bereits Unterkunft und Verpflegung enthalten sind. Hinzu kommen noch rund 280 € für den Flug sowie rund 50 € für weitere Ausgaben wie Verpflegung während der An- und Abreise. BLINDSAVE bietet neben dem Camp für ältere Teilnehmer (Altersklasse 16+) auch ein Camp für Junioren (9–16 Jahre) an, welches die drei Tage vor dem 16+-Camp stattfindet. Wenn man es bezüglich Zeitaufwand auf ein Minimum reduzieren will, dann reist man an Tag 1 an, fährt am frühen Nachmittag mit dem BLINDSAVE-Bus zum Camp, wird an Tag 3 wieder zurück zum Flughafen gefahren und fliegt am selben Tag wieder zurück. Da das Camp immer an einem Wochenende stattfindet, muss man sich somit lediglich den Freitag freinehmen.

Wenn man genügend Zeit mitbringt, lohnt es sich auf jeden Fall am Tag davor/danach noch Riga zu erkunden. Riga bietet eine wunderschöne Altstadt, die mit ihren bunten Häuserfassaden und den gepflasterten Straßen und Gässchen an Landshut erinnert.
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